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04/01/2020

Führen aus dem Homeoffice

Zwischen Videokonferenzen und Schulbetreuung

Führen aus dem Homeoffice

Martin Krill, geschäftsführender Gesellschafter der auf Executive Search spezialisierten Hager Unternehmensberatung, arbeitet, wie auch seine 110 Mitarbeiter, seit Mitte März an den meisten Tagen von zu Hause aus.


Wie viele andere Betroffene, musste auch Martin Krill erst einmal in dieser neuen Situation ankommen. Homeoffice ist bei der Hager Unternehmensberatung durchaus zulässig, nur als Dauerarbeitsplatz in einer Branche, die mit persönlichen Kontakten und höchst sensiblen Daten arbeitet, nicht der alltägliche Standard. Doch die aktuelle Phase, in der weltweit sämtliche Unternehmen betroffen sind, ist eine außerordentliche Situation für alle. Die Hager Unternehmensberatung setzt hier verstärkt auf die Kommunikation und Vertrauen in die Mitarbeiter. „Die Gesundheit und auch die Sicherheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner hat für uns aller höchste Priorität, daher haben wir zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Schutz zu maximieren und die Ansteckung zu minimieren. Dazu gehören neben zusätzlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in allen Büros auch die Standardisierung des Homeoffices,“ so Martin Krill.

Die Hager Unternehmensberatung wurde IT-seitig bereits vor rund einem Jahr auf Office 365 von Microsoft, insbesondere Teams als Kommunikationsplattform, umgestellt. Alle Mitarbeiter erhielten Surface Endgeräte, um zeit- und ortsunabhängig arbeiten zu können. Das, was die IT-Verantwortlichen bei Hager damit erreicht haben, zahlt sich heute besonders aus. Dort wo andere Unternehmen noch kurzfristig am Umstellen und Testen waren, war dies bereits der erprobte Alltag. Doch das eine ist die technische Herausforderung, mit dieser neuen Situation umzugehen, das andere ist für viele die Führungskompetenz in einer überwiegend virtuellen Zeit.

„Wichtig ist hier vor allen Dingen eine regelmäßige Kommunikation sowohl mit den eigenen Mitarbeitern als auch mit Mandanten und Kandidaten. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen durch Schlagzeilen und Stimmungsbilder verunsichert sind, ist es umso wichtiger, in regelmäßigem Kontakt zu bleiben. Ich persönlich versuche positiv zu denken und auch in dieser schwierigen Zeit nach vorne zu blicken“, so Krill weiter.  Homeoffice bedeutet nicht nur, sich in privater Umgebung aufzuhalten, sondern aufgrund der aktuellen Situation sogar die gesamte Familie intensiv zu erleben sowie mit schulischen Themen des Nachwuchses betraut zu werden. Normalerweise sind die wenigsten Führungskräfte tagsüber zu Hause oder mit den täglichen Schularbeiten konfrontiert. Jedoch sind momentan viele Eltern im Homeoffice gefordert, auch die Schulthemen ihrer Sprösslinge mit zu bedienen und das sogenannte Homeschooling ihrer Kinder zu unterstützen.
„Momentan ist es ein Spagat, neben den Themen, die unser Unternehmen weiterbringen, auch der elterlichen Fürsorge nachzukommen. Binomische Formeln und unternehmerische Visionen, eine besondere Variante von Multitasking“, meint Krill.
 

Virtuelle Leadership-Herausforderung 

Ein Schuss Empathie, eine Prise Optimismus und viel Anpassungsfähigkeit - so könnte ein einfaches Rezept lauten. In diesen unsicheren Zeiten kann es für viele Mitarbeiter schwierig sein, einen Sinn in dem zu finden, was sie tun. Als Führungskraft ist es Teil des Jobs, eine Vision für das Team auszuarbeiten. Eine klare, gemeinsame Vision, der alle im Team zustimmen, kann unglaublich motivierend sein. Sie trägt dazu bei, dass alle Teammitglieder einen Sinn in der Sache sehen und auch in der täglichen Arbeit einen Schwerpunkt sowie Klarheit finden. All dies trägt letztlich dazu bei, die Stimmung der Menschen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig sicherzustellen, dass ihre Aufmerksamkeit auf positive Geschäftsergebnisse gerichtet ist.

Sich mit Mitarbeitern persönlich austauschen - geht leider derzeit nicht. Dennoch ist Austausch essenziell, um ein Gefühl für die Stimmung im Unternehmen zu bekommen und den Teamspirit zu stärken. Virtuelle Coffee Breaks während der Arbeitszeit, gemeinsame Mittagessen, zusammen Kochen (jeder in seiner Küche, mit dem gleichen Rezept) – wichtig ist, dass das Gefühl der Zusammenarbeit gestärkt wird bzw. bleibt. Rituale und regelmäßige Teammeetings, um Ziele und Projekte abzustimmen, sollten in der aktuellen Phase für jede Führungskraft ein Selbstverständnis sein. Ebenso auch das offene Ohr für die Belange und auch persönlichen Probleme der Mitarbeiter. 

Was unter normalen Umständen wichtig ist, sollte jetzt noch mehr an Bedeutung gewinnen: die Verantwortlichkeit für die Teammitglieder. Vertrauen muss den Mitarbeitern vorab gegeben werden: Jeder ist Experte in seinem Bereich und verantwortet diesen selbständig. Wenn Mitarbeiter Unterstützung brauchen, sollten sie wissen, dass sie immer auf ihre Führungskraft zukommen können. „Es ist wichtig, den Mitarbeitern aktiv ein Wir-Gefühl zu vermitteln und sie nicht zu vernachlässigen oder gänzlich sich selbst zu überlassen. Dies motiviert jeden Einzelnen und bringt letztendlich auch dem Unternehmen ein Weiterkommen – wir haben alle auch ein Leben nach dem Coronavirus,“ schließt Martin Krill.

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