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01/24/2019

Schwarmintelligenz braucht antiautoritäre Chefs

Gartner führt in der Trendanalyse 2019 die Schwarmintelligenz als Königsweg unter den disruptiven Trends auf. Die Analysten prophezeien darin, dass Manager aufgrund der wachsenden Menge von Datenquellen Entscheidungen künftig verstärkt in Echtzeit treffen müssen. Dafür müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen.

Schwarmintelligenz braucht antiautoritäre Chefs

Nahezu alle Arbeitgeber haben verstanden, dass ihr zukünftiger Erfolg von der knappen Ressource Mitarbeiter abhängt. Entsprechend liefern sich Unternehmen einen harten Kampf um die besten Fach- und Führungskräfte. Weniger ausgeprägt ist in vielen Firmen hingegen noch die Überlegung, mit welchen Innovationen im Zusammenspiel mit den Mitarbeitern die besten Ergebnisse entstehen können. Ein Trend: Vor allem digitale Startups setzen zur optimalen Organisation ihrer Mitarbeiter auf die Schwarmintelligenz.

Der Grundgedanke der Schwarmintelligenz geht davon aus, dass eine Gruppe intelligenter als ihr klügstes Mitglied ist. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Gruppen immer cleverer vorgehen und entscheiden als Einzelpersonen. Bei Beachtung bestimmter Rahmenparameter in der Teamzusammensetzung und -organisation kommen Gruppen insbesondere bei komplexen Problemen jedoch häufig zu besseren Lösungen als einzelne Mitglieder.

Mit Hilfe moderner digitaler Möglichkeiten organisieren sich solche Gruppen meist eigenständig. Dies funktioniert allerdings meist nur, wenn das Team beziehungsweise der Schwarm bestimmte Anforderungen erfüllt und sich mittels innovativer Führungskonzepte optimal entfalten kann.

Schwarmintelligenz lässt sich nicht von heute auf morgen im Unternehmen etablieren. Dazu bedarf es einer entsprechenden Firmenkultur, die eine Basis für die sinnvolle Entfaltung von Schwarmintelligenz schafft. Solche Grundlagen sind zum Beispiel flache Hierarchien und ausgeprägte Freiheitsgrade. Mitarbeiter benötigen ein Höchstmaß an Flexibilität und sollten unter ungewöhnlichen Rahmenbedingungen zusammengebracht werden, um sich intelligent miteinander verbinden und austauschen zu können. In Betrieben ist dies mit Crowdsourcingvergleichbar. Auch hier kommen viele Ideen aus einer Gruppe (der Crowd) zusammen, die letztendlich durch eine Art von Schwarmintelligenz Lösungen oder Erfindungen zutage bringen.

Jede Herde benötigt ein Leittier

Allerdings reicht es nicht aus, dass Unternehmen eine bunte Mischung an heterogenen Mitarbeitern zusammensetzen und ihnen unbegrenzten Internet-Zugang bieten, um die Aufgabenstellung anzugehen. Auch Schwarmintelligenz braucht Leitung und Management - allerdings nicht durch einen, der autoritär vorgibt, wo es langgeht. Die Mitarbeiter benötigen eine Führungskraft, die das grobe Ganze im Blick behält, im Notfall auch mal den Ton angibt, aber dennoch eine Atmosphäre schafft, in der kreative Freiheit funktioniert und auch entfaltbar ist. Die einzelnen Teammitglieder müssen ihre Rolle als Teamplayer verstehen, aber auch den Mut haben, als Individuum hervorzutreen, und dürfen keinen Gruppenzwang aufkommen lassen.

Voraussetzungen für Schwarmintelligenz

Schwarmintelligenz bedarf moderner Führungskonzepte und einer freien Arbeitsatmosphäre, um erfolgreich zu sein. Es gibt einige Voraussetzungen, die für ein erfolgreiches Schwärmen erfüllt sein müssen:

  • Die Zusammensetzung des Schwarms sollte sehr heterogen sein.
  • Aufgabe der Führungskraft ist es, nicht als autoritärer, allwissender Entscheider aufzutreten, sondern als Vorbild, Rollenmodell und Facilitator.
  • Der Führungsstil sollte eher antiautoritär angelegt sein. Gefragt ist eher ein Leittier als ein klassischer Vorgesetzter.
  • Die Entscheidungswege müssen kurz sein, die Hierarchien sehr flach, und die Unternehmenskultur muss sich durch Gleichberechtigung auszeichnen.
  • Die Kreativität der Einzelnen wird gefördert, Fehler werden toleriert
  • Der Informationsfluss ist ungehindert zugängig und die Mitarbeiter übernehmen Ergebnisverantwortung.
  • Eine digitale Vernetzung aller Beteiligten ist State of the Art.

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