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14.01.2020

7 Skills für 2020

Was braucht man, um im neuen Jahr durchzustarten und an Flughöhe zu gewinnen?

7 Skills für 2020 von Lernfähigkeit bis Storytelling

7 Skills für 2020

1. Lernbereitschaft

In einer komplexer werdenden Welt, in der sich Wissen exponentiell vermehrt und sich die Arbeitswelt in dramatischer Geschwindigkeit verändert, ist Lernbereitschaft der Universal-Skill schlechthin. Zugespitzt könnte man auch sagen: Lernen ist wichtiger als Wissen. Wer in Zukunft im Job reüssieren will, muss sich schnell und motiviert in neue Themenfelder und innovative Tools einarbeiten. Das ist aber nur eine Seite, der fachliche Aspekt. Lernen hat auch einen kulturellen Aspekt, denn Lernen ist Austausch. Weg von den elitären Kaskaden des Herrschaftswissens hin zu demokratischer und dezentraler Wissensvermittlung. Es geht um Lernen voneinander, um Kollaboration und Konnektivität auf allen Ebenen. Zwischen Generationen, Hierarchiestufen, zwischen sozialem und ethnischem Background.

"Tools von denen wir 2010 kaum gehört hatten, bestimmen heute unseren Alltag und der Wandel nimmt an Geschwindigkeit zu. Um auch 2025 beruflich gestalten zu können, brauchen Mitarbeiter wie Führungskräfte eine immense Lern- und Anstrengungsbereitschaft und die Neugier wie den zeitlichen Einsatz, sich neben dem „Tagesgeschäft“ permanent mit Innovationen auseinanderzusetzen" , sagt Dr. Monika Becker, Business Unit Director bei der Hager Unternehmensberatung und Sector Head IT & Digitalisation beim Partner Horton International.

 

Nice to know: Während sich in Deutschland der Begriff „Lebenslanges Lernen“ (abgekürzt: LLL) durchgesetzt hat, sprechen die Österreicher von „Lebensbegleitendem Lernen“, was sehr viel entspannter und lebensbejahender klingt.

 

2. Konzentration/Fokussierung

In Zeiten von neuronaler Dauerbefeuerung durch Multichannels ist es schwieriger und gleichzeitig wichtiger denn je, sich zu fokussieren. Der amerikanische Wirtschaftspsychologe und Bestseller-Autor Nir Eyal wertet die „Nicht-Ablenkbarkeit“ sogar als wichtigsten Skill der Zukunft. In seinem Buch Indistractable. How to Control Your Attention and Choose Your Life entwirft der Autor eine Strategie in vier Schritten, wie man die Hoheit über seine Zeit und Aufmerksamkeit wiedererlangt:

  1. Die inneren Trigger (Langeweile, Einsamkeit, Unsicherheit, Müdigkeit) überwinden.
  2. Den Arbeitstag klar strukturieren.
  3. Einen Pakt mit sich selbst und der Umwelt schließen.
  4. Ein rigides App-Management und Push-Notifications auf ein Minimum reduzieren.
  5. Das ist keine Anti-Digital-Strategie, sondern ein Plädoyer für den souveränen Umgang mit digitalen Devices.

 

Nice to know: Zwei Drittel der Beschäftigten schauen mindestens eine Stunde pro Tag auf ihr Smartphone. Experten schätzen, dass sich diese permanenten Ablenkungen und Mikropausen allein in den USA auf einen Produktivitätsverlust von mehreren hundert Milliarden US-Dollar summieren.

 

 

3. Interkulturelle Kompetenz

Eine globale Arbeitswelt braucht ein globales Mindset. Die Fähigkeit, mit Kolleg*innen und Businesspartnern aus anderen Kulturkreisen erfolgreich – verbal und nonverbal – zu kommunizieren, hat immens an Bedeutung gewonnen. Interkulturelle Kompetenz ist im Zeitalter von VUCA (Volatility Uncertainty‚ Complexity, Ambiguity) eine Schlüsselqualifikation – und ein Wettbewerbsfaktor. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Ambiguity“ – Uneindeutigkeit. Wenn es gelingt, Irritationen nicht nur auszuhalten, sondern kulturellen Unterschieden mit Respekt und Offenheit zu begegnen, lässt sich daraus ein ungeheures Innovationspotential schöpfen.

"Bekanntermaßen arbeiten heterogene Teams arbeiten erfolgreicher. Daher ist es im Recruiting sinnvoll, Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Biografien, aus verschiedenen Kulturkreisen und auch unterschiedlichen Alters zusammen zu bringen. Führungskräfte sollten sich bewusst sein, dass gegenseitige Bestätigung durch Gleichgesinnte zwar bequem ist, aber Fortschritt durch konstruktive Spannung entsteht", erklärt Dr. Monika Becker

 

Nice to know: Fanden sich 1999 in einer Internet-Suchmaschine noch 58 Einträge zum Thema „interkulturelle Kompetenz“, so hatte sich diese Zahl Anfang 2001 auf 1740 verdreißigfacht. Heute findet man bei „Google“ 770.000 Einträge zu „interkulturelle Kompetenz“.

 

 

4. Selbstmanagement

Ein neues Jahrzehnt bricht an, höchste Zeit gleich zwei prominente Schlagworte der Ratgeberliteratur zu entsorgen: Work-Life-Balance und Zeitmanagement. Work-Life-Balance kann es gar nicht geben, weil es im Leben immer ein Ungleichgewicht gibt – entweder überwiegt „Life“ oder „Work“ in einer Lebensphase. Eine künstliche Balance herzustellen, erzeugt unnötig Stress. Zeitmanagement suggeriert die irrsinnige Annahme, man könnte die Zeit beherrschen. Dabei verläuft Zeit immer in derselben Geschwindigkeit. Es geht deshalb nicht um Zeitmanagement, sondern um Selbstmanagement. Selbstmanagement ist die zeitgemäße Antwort auf die veränderte Arbeitswelt. Hierarchien lösen sich auf oder flachen ab, triviales Top-Down- und Mikro-Management sind passé. Selbstbewusste Mitarbeiter, die sich eigenständig organisieren und ihr Privat- und Arbeitsleben nach dem Vierklang Planung, Organisation, Motivation und Zielsetzung orchestrieren, geben den Ton an.

 

Nice to know: Neben klassischen To-Do-Listen empfehlen Experten, eine Not-to-Do-Liste mit Zeitfressern und Energieräubern zu führen: Darin werden Aufgaben und Verhaltensweisen notiert, die unnötig oder übermäßig Kraft kosten, nicht zielführend sind oder die persönliche Entwicklung hemmen.

 

 

5. Kundenorientierung

Eigentlich ist es einigermaßen erstaunlich, dass Customer Centricity erst in den letzten Jahren so richtig Karriere gemacht hat. Man müsste im Umkehrschluss fragen: Für wen, bitte, hat man davor seine Produkte und Dienstleistungen konzipiert – wenn nicht für den Kunden? So wird User Experience (UX) zum alles entscheidenden Faktor, der Kunde ist nicht nur Adressat, sondern wird zum Co-Creator. Marketingexperten gehen sogar noch weiter und argumentieren, dass User Experience den Preis und das Produktversprechen in den Schatten stellen. Die datenbasierten Touchpoints haben insbesondere für produzierende Unternehmen zu einer Innovation des alten Geschäftsmodells geführt: Servitization. Gemeint ist, dass neben dem Produkt noch Dienstleistungen angeboten werden, durch die Digitalisierung also eine Vernetzung zwischen Produkt und Services möglich ist. Diese neuen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen wird zum Management-Skill des neuen Jahrzehnts.

 

Nice to know: Servitization in einem Satz erklärt? Peter Drucker, Ökonom und Managementdenker, sagt: „Der eigentliche Wert besteht für den Kunden nicht im Produkt, sondern es geht darum, was das Produkt für ihn erledigt/tut“. (Original: "What the customer buys and considers value is never a product. It is always a utility – that is, what a product does for him.”) Heißt im Kern: Kunden wollen keinen Rasenmäher, sondern einen gepflegten Rasen.

 

 

6. Entscheidungskompetenz

Mit der Digitalisierung sind die verfügbaren Datenmengen und Informationen regelrecht explodiert, zeitgleich haben sich die Prozesse beschleunigt. Wer in diesem hyperventilierenden Setting qualifizierte und trotzdem schnelle Entscheidungen treffen will, braucht ein ausgefeiltes analytisches Gespür. Gleichzeitig gewinnt in der digitalen Transformation der Faktor Mensch an Bedeutung (every business is a people business), Empathiefähigkeit und Enabler-Qualitäten (und interkulturelle Kompetenz) zählen zu den Top-Skills schlechthin.

"Daten versprechen Managern Sicherheit in der Entscheidungsfindung. Eine digitale „Datenlawine“ kann aber auch zu einer Lähmung führen. Manager brauchen daher Mut, um Entscheidungen zu treffen und vor allem die Kompetenz, Entscheidungen frühzeitig zu reflektieren und agil an wechselnde Rahmenbedingungen anzupassen", berichtet Dr. Monika Becker.

 

Nice to know: Den Stellenwert von Innovationstreibern innerhalb der Unternehmen hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits der Harvard-Ökonom Joseph Schumpeter beschrieben. Schumpeter hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, seine Bücher wurden neu aufgelegt. Der britische „Economist“ hat seine regelmäßige Kolumne zu Innovationsthemen nach ihm benannt.

 

 

7. Storytelling/Kommunikation

„Those who tell the stories rule the world“, lautet ein altes Hopi-Sprichwort. Das war nie so aktuell wie heute. Die Fähigkeit, Menschen zu überzeugen und zu begeistern ist dabei nicht nur ein Skill für Häuptlinge – um mal bei den Hopis zu bleiben – sondern auch für Indianer. Meint: Hierarchische Modelle werden von Kooperationsmodellen im Sinne von „peer to peer“ abgelöst. Teamarbeit, auch projekt- und fachübergreifende Arbeit mit vielen Schnittstellen, erfordert eine andere Kommunikation. Statt „Command and Control“ wird Storytelling auch innerhalb von Organisationen immer wichtiger: Exemplarisches, Bildliches, Allegorisches statt reiner Fakten. Storytelling meint aber noch viel mehr. Es geht um aktives Zuhören, die One-Man-Show ist vorbei. Auch zwischen Konzernen, die im Wettbewerb stehen. Aus Competition wird Coopetition. Das erfordert neue Leader, die sich in diesen neuen Ökosystemen und diversen Umfeldern geschmeidig bewegen.

Dr. Monika Becker weiß: "Führungskräfte verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit Kommunikation. Sie erreichen ihre Mitarbeiter, Kunden und Partner aber nur wirksam, wenn sie nicht nur die Logik des Gegenübers ansprechen, sondern auch dessen Emotionen".

 

Nice to know: Laut einer Studie der Stanford University können sich nur 5% der Zuhörer sich an die Statistik aus einer Präsentation erinnern – dafür konnten sich 63% an die Story erinnern.

 

 


 

Dieser Artikel ist Auftakt einer Content-Kooperation zwischen FemaleOneZero (F10) und der Hager Unternehmensberatung. Das auf Executive Search spezialisierte Unternehmen wurde von den Magazinen WirtschaftsWoche und Focus wiederholt als eine der besten Personalberatungen Deutschlands ausgezeichnet. Die Hager Unternehmensberatung beschäftigt rund 110 Mitarbeiter und gilt neben dem umfangreichen Know-how im Bereich der Digitalisierung außerdem als Spezialist in Fragen rund um die Themen Diversity und Innovation.

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