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05.05.2020

Exit-Strategie nach dem Lockdown - Industrie Branche

Inwieweit ist eine Exit-Strategie in der Industrie Branche erforderlich?

Eingangs gilt es festzuhalten, dass das wirtschaftliche Handeln durch die Corona-Phase nicht vollständig unterbrochen wurde.

Exit-Strategie nach dem Lockdown - Industrie Branche

Von Hagen Schönfeld, Business Unit Manager für den Bereich Industry bei der auf Executive Search spezialisierten Hager Unternehmensberatung und Sector Head Industry der Horton Group International.

Entgegen der medialen Dramatik befinden wir uns in keinem kriegerischen Szenario oder in einer Phase stark eingeschränkter Kreditvergaben wie im Falle global übergreifender Bankenpleiten. Durch die aktuelle Situation findet eine Unterbrechung wirtschaftlichen Handelns und – damit einhergehend - der Nachfrage statt. Die Corona-Krise prägt die deutsche Wirtschaft, doch es gibt zahlreiche Branchen, die weitestgehend normal produzieren. Viele Marktteilnehmer werden zwar aktuell an der Realisierung geplanter Vorhaben gehindert, doch bedeutet dies nicht, dass diese komplett storniert werden. Es verbleibt die Frage, welche Auswirkungen die allgemeine Entwicklung auf das angekündigte Neugeschäft in den nächsten drei bis sechs Monaten haben wird.  

Rund 70 Prozent der Industriebetriebe fertigt auf einem hohen Produktionsniveau weiter. Zwingende Einschränkungen erfordern Maßnahmen des Infektionsschutzes und oftmals damit verbunden eine Umverteilung der Produktionsschichten, damit sich die Mitarbeiter nicht begegnen bzw. ein Sicherheitsabstand gewährleistet werden kann. Teamarbeit muss teilweise modifiziert werden, da der nun geforderte Abstand - auch in der Produktion- eine andere Arbeitsform verlangt. Eine weitere Herausforderung ist der des Komponentennachschubs. Durch die Unterbrechung der globalen Lieferketten verzögern sich viele Prozesse oder sind unterbrochen.

Die verbleibenden 30 Prozent der Industriebetriebe sind direkt oder indirekt der Automotive-Branche zuzuordnen. Hierbei gilt es in der Betrachtung auch zwischen Produktion und Engineering / R&D zu differenzieren. Oftmals wurden bisher besonders im Bereich der Produktion die Kurzarbeit bzw. Produktionsstilllegungen veranlasst. Das Engineering arbeitet vielfach an den Projekten von morgen: Mehr als sonst liegt der Fokus auf der Zukunft und den relevanten technischen Vorbereitungen. Die Entwicklung arbeitet daher mit besonderen Schwerpunkten mit leichten Einschränkungen „normal“ weiter. Aufgrund der zu erwartenden Ausweitung der staatlichen Förderungen im Bereich der eMobility, arbeiten OEM und TIER1 mit besonderem Hochdruck an diesen Projekten. Durch die hohe Branchenvielfalt ist das Bild nicht einheitlich – es wird von unternehmensspezifischen Faktoren beeinflusst.

Die Ankündigungen des Wiederanlaufs der Montage bei den OEMs ermutigt, kann aber durch die TIER1 noch nicht konkret bestätigt werden. Diese warten oftmals noch auf den Abruf der Komponenten.

Als Fazit bleibt ein zweigeteiltes Bild: Business as usual - mit Anpassungen für die Situation -, aber auch Einschränkungen oder Stillstand mit einem hohen Grad an Unsicherheit. Viele Unternehmen erwarten derzeit noch nachgelagerte Nachfrageeinbrüche, die hinsichtlich der jetzigen Produktion und auch in Bezug auf Kurzarbeit regelmäßig, am besten im Wochenrhythmus, bewertet werden müssen.

„Die Menschheit meistert solche Situationen! Es gibt unglaubliche viele Erfolgsgeschichten rund um Corona, gerade im Business. Schon heute werden die IT-Abteilungen der Unternehmen, die Unglaubliches ermöglichen, auf Händen getragen. Wenn wir die Erfolgsgeschichten der Negativdauerschleife in den News entgegenhalten, wird das anderen Mut machen“, erklärt Hagen Schönfeld, Business Unit Manager Industry und Sector Head Industry der Horton Group International.

Welche unternehmerischen Exit-Strategien werden in der Industrie Branche verfolgt?
Die Industrie ist in ihrer Gesamtbreite sehr vielfältig aufgestellt, daher gibt es keine pauschal handhabbare Strategie. Kunden aus der Automation und der Robotik spüren aktuell die Zurückhaltung der OEMs und TIER1 im Automotive und hoffen auf deren Mut zur Investition.
Der Maschinenbau hingegen kämpft mit den unterschiedlichsten Herausforderungen, wie dem spontanen Wegbruch des europäischen und amerikanischen Marktes, andererseits aber dem schnellen Wiederauferstehen des chinesischen Marktes.
Alle Unternehmen wollen schnellstmöglich zur „Normalität“ zurückkehren, das heißt zu bisher reibungslosen Prozessen bei Lieferketten, Vertrieb etc.

Wurden Maßnahmen oder Pläne vorbereitet, um ggf. Geschäftsbereiche zu verlagern, verändern oder gar neu auszurichten?
In den Medien wird das Bild oft verzerrt dargestellt. Es gibt keinerlei Ansatz dafür, dass das bisherige Modell der Marktwirtschaft oder des Kapitalismus Post-Corona infrage gestellt wird. Die Produktion wird global vernetzt bleiben. Es wird punktuell lediglich staatliche Vorgaben für sicherheitsrelevante oder pharmazeutische Produkte geben. Handelsbeschränkungen, die dazu dienen, Infektionsrisiken klein zu halten, sind nicht bekannt, aber denkbar. Doch welchen Vorteil hätte es, aktuell nur Zulieferer in Europa als OEM zu haben? Diese sind letztendlich genauso betroffen, außerdem wäre es sehr aufwendig, diese am europäischen Markt neu zu etablieren.

„Ich könnte mir vorstellen, dass man zukünftig noch stärkere Akzente im Bereich des Lean-Manufacturing, der Automatisierung und der Digitalisierung von Prozessen in allen Funktionsbereichen setzten wird. Beides ist in Verbindung zu betrachten. Automatisierte Prozesse können nicht an Corona erkranken, egal ob in Finance oder am Produktionsband. Letztlich steigt wieder die Effizienz, Stabilität, die Geschwindigkeit und dies bei sinkender Fehlerquote und geringerem Personalbedarf.“ Resümiert Hagen Schönfeld.

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