Detail
27.02.2020

Mangelnde Digitalkompetenz eine große Hürde für weiteres Wachstum

In Deutschland herrscht noch immer Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung.

Mangelnde Digitalkompetenz eine große Hürde für weiteres Wachstum

Von Martin Krill, Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung und Experte für HR-Themen, Digitalisierung und KI

Beim Thema Digitalisierung herrscht im internationalen Vergleich in Deutschland noch immer Nachholbedarf. Insbesondere im Mittelstand gibt es große Potenziale. Was sind die Gründe hierfür? Zögern, Ungewissheit? Kein Budget? Fehlende Strategie im eigenen Unternehmensdenken? Im Land der Dichter und Denker sollten solche Barrieren eigentlich nicht in diesem Maße spürbar sein.

Eine Studie im Auftrag der Deutschen Telekom hat gezeigt, dass der deutsche Mittelstand bei seiner digitalen Transformation stark aufgeholt hat. Immer mehr Firmen sehen darin eine wichtige Voraussetzung für ihren künftigen Erfolg. Inzwischen stellen auch viele Mittelständler dafür ihre bisherigen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Sie nutzen Big Data und denken über den Einsatz von künstlicher Intelligenz nach. Die tradierten Geschäfte werden hinsichtlich ihrer Sinnhaftigkeit und vor allem Zukunftsfähigkeit stark hinterfragt.

Das Problem ist weder mangelnde Aufgeschlossenheit noch ist das Interesse zu gering, nein, es sind fehlende personelle Ressourcen und Digitalkompetenzen. Die gesamte IT-Branche klagt laut Aussage der Bitkom über rund 124.000 Vakanzen im IT-Bereich. Die wenigen großen Talente zieht es häufig eher zu den Global Playern als zu mittelständischen Arbeitgebern, selbst wenn diese Hidden Champions sind und oftmals sogar deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten für aufstrebende IT-Fachkräfte zu bieten haben.

Laut einer international durchgeführten Studie der staatlichen Förderbank KFW sehen knapp 40 Prozent von rund 2.000 befragten Unternehmen im deutschen Mittelstand mangelnde Kenntnisse der Mitarbeiter als eines der größten Hindernisse, wenn es um das Thema Digitalisierung geht.

Die Digitalisierung des Mittelstands hat in den letzten Jahren zwar Fahrt aufgenommen“, erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib. Doch die Digitalkompetenzen der Beschäftigten blieben hinter der Entwicklung zurück. „Weiterbildung ist die wichtigste Lösungsstrategie, wird aber zu oft aus Kosten- und Zeitgründen unterlassen.“

Der Arbeitsmarkt verändert sich durch die Digitalisierung in enorm hohem Tempo. Jobs, die lange Zeit etabliert waren, wandeln sich. Viele neue Berufsbilder entstehen und auch die Komplexität der Anforderungen wächst in zunehmendem Maße.  Wichtig ist es, von alten Denkmustern und Prozessen abzulassen und sich Neuem gegenüber zu öffnen. Digitalkompetenz ist mittlerweile eine Grundvoraussetzung, um im Berufsleben erfolgreich zu sein.

Unternehmen rechtfertigen mangelnde Digitalisierungsweiterbildung der Mitarbeiter immer wieder mit den gleichen Argumenten: Kein Geld, Mitarbeiter haben zu wenig Zeit, fehlende exakt passende Weiterbildungsangebote. Wer sich auf den Lorbeeren ausruht, ruht womöglich zu lange, weil er die rasante Geschwindigkeit des Marktes unterschätzt.

Nur wer schnell auf disruptive Veränderungen von Märkten und Kundenbedürfnissen reagiert, wird weiter erfolgreich bestehen. Dazu muss der Blick ein gutes Stück über den heutigen Tellerrand hinausgehen.

 

Fazit

Ob wir wollen oder nicht: Unser Alltag, unser Leben und unsere Arbeitswelt sind digital geprägt. Dies bedingt umfassendes Digitalwissen sowie neue Kompetenzen, die wir uns aneignen müssen.

In der digitalisierten Arbeitswelt werden Allround-Talente und Spezialisten benötigt, vor allem aber Generalisten mit Spezialwissen. Wichtig für alle Branchen und Unternehmensgrößen ist es, sich nicht von mangelnder Zeit oder fehlenden Kompetenzen abschrecken zu lassen. Bestimmt gibt es neben erfolgreichen Weiterbildungsmaßnahmen, die auch nicht in wochenlangen Seminaren stattfinden müssen, auch andere Möglichkeiten, die Digitalkompetenzen auszubauen.

Auch kann auf Wissenstransfer in eigenen Reihen gesetzt werden. Dies kann beispielsweise eine gute Führungskraft sein, die ihre Expertise an Mitarbeiter weitergibt. Manchmal ist es aber auch der externe Blick, der hilft, die richtigen Schlüsselfiguren an der richtigen Stelle zu platzieren.

zurück