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11.03.2020

Mehrgenerationenteams als Erfolgsfaktor

Warum ist die Integration verschiedener Altersgruppen wichtig? Angela Keuneke, Marketing Manager bei der Hager Unternehmensberatung, erklärt die Vorteile heterogener Teams und wie inklusive Strukturen Unternehmen dabei helfen zu wachsen.

Mehrgenerationenteams als Erfolgsfaktor

Vielleicht hat der Fachkräftemangel auch etwas Gutes. Dafür müssen wir aber erst mal ein paar Kapitel zurückblättern im Lexikon der Mikroökonomie: Ein knappes Angebot bedingt bei steigender Nachfrage, dass sich der Preis erhöht – oder aber das Angebotspaket interessanter werden muss, das Unternehmen dem Kandidaten etwas Attraktives anbieten muss. Wenn es richtig ist, dass Human Ressources der Erfolgsfaktor für die Zukunft ist, weil – um im Bild von Ressourcen zu bleiben – top ausgebildete Mitarbeiter so etwas wie „Seltene Erden“ sind, dann muss man umdenken. Man wird es sich schlicht nicht mehr leisten können, ganze Gruppen aus dem Workflow auszuschließen. Nur auf Panels herumzusesseln und die fehlende Diversität zu beklagen, ohne tatsächlich etwas zu verändern, wird die Unternehmen nicht weiterbringen.

Gesprochen wurde in den letzten Jahren viel über Diversity. Interessant ist, dass man dabei meistens Gender-Diversity meinte und die Begriffe fast synonym verwendete. Ein großes Missverständnis. Denn für echte Vielfalt braucht es alle Dimensionen von Diversity, auch und zunehmend Erfahrungsdiversität. Teams, in denen Ältere und Jüngere, erfahrene Kollegen und Newcomer, zusammenarbeiten. Die voneinander lernen und, wenn sie die Sache wirklich ernst nehmen, sogar Reverse Mentoring einsetzen, sich zum Beispiel der CEO vom Trainee coachen lässt. In diesen durchmischten Ökosystemen kann es richtig gut werden. Denn dann verbinden sich frische, unkonventionelle Konzepte und digitale Wendigkeit mit Erfahrung, strategischem Verständnis und Know-how. So werden aus irren Ideen letztlich irre gute Ideen, die sich auch umsetzen und vermarkten lassen. Beide Kompetenzen sind nicht ersetzbar. Man sollte sie nicht unterschätzen. Man sollte sie vor allem auch nicht gegeneinander ausspielen. „Man sagt nicht umsonst, dass heterogene Gruppierungen die Gewinner-Teams sind. Junge Mitarbeiter haben häufig eine sehr schnelle Auffassungsgabe, wenn es darum geht, sich neue Technologien anzueignen. Doch oftmals fehlt es ihnen an Erfahrung, um neue Themen und Trends auch erfolgreich umzusetzen. Hier können durchmischte Altersstrukturen sehr erfolgreich sein“, sagt Angela Keuneke, 52, Marketing Managerin bei der auf Executive Search spezialisierten Hager Unternehmensberatung.

 

Neugierde und Innovation ebenso wichtig wie Fachkenntnisse und Lebenserfahrung

Es ist noch nicht lange her, da wurden Datenbanken bei Headhuntern gnadenlos gefiltert nach einem – und jetzt wird es hässlich – Verfallsdatum: Über 50 Jahre? Raus! Und das vor dem Hintergrund einer demografischen Entwicklung, die dem trivialen Jugendkult total entgegenläuft. Schaut man sich die Daten an, wird klar, dass man es mit den Youngsters allein nicht mehr stemmen wird. Laut „World Economic Forum“ sind in Japan heute bereits 30 Prozent der Bevölkerung älter als 60, bis 2050 werden 62 weitere Länder zu diesem Methusalem-Komplex gehören. Dass Deutschland darunter ist, dürfte keine große Überraschung sein – dass China ebenfalls in dieser Liste auftaucht wahrscheinlich schon eher. Für die Wirtschaft sind das übrigens keine schlechten Nachrichten, im Gegenteil. Das WEF zitiert in seinem Artikel „An ageing workforce isn’t a burden. It’s an opportunity“ eine Studie der AARP (American Association of Retired Persons). Demzufolge sind die über 50-Jährigen über alle Generationen hinweg die am stärksten engagierte Mitarbeiterkohorte. Durch ihre emotionalen und kognitiven Skills wirken sie extrem motivierend auf jüngere Kollegen, mit entsprechend positiven Effekten auf die Performance einer Firma.

In einem Bericht der Max Planck Gesellschaft kommen Forscher zu dem Schluss, dass ältere Mitarbeiter seltener (teure) Fehler machen und oft sogar eine bessere Leistung bei komplexen Aufgaben zeigen. „Diese so genannte ‚aging workforce‘ kommt noch aus der Zeit, wo man Begriffe wie ‚Work-Life-Balance‘ kaum kannte. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter bei vielen die Selbstsicherheit, die Ausgeglichenheit und die Einsatzbereitschaft sowie das Verantwortungsgefühl wächst“, erklärt Angela Keuneke. Das hieße aber nicht, dass die jüngeren Generationen keinen Biss hätten. Aber Wertvorstellungen und gutes Prozesswissen müssten sie oftmals noch in der Praxis erlernen. „Unternehmen, die angesichts des Fach- und Führungskräftemangels nicht allein um junge Nachwuchskräfte werben, sondern auch ihrer Stammbelegschaft oder den Babyboomern Aufmerksamkeit und Wertschätzung angedeihen lassen, sollten zu den Gewinnern im demografischen Wandel und der digitalen Transformation zählen.“ So Angela Keuneke weiter.

Was heißt das jetzt für die Unternehmen? Man sollte Inklusion – so schrecklich das Wort ist – wirklich ernst nehmen. Denn letztlich geht es nicht nur um den Mitarbeiter, der über Jahrzehnte wertvolle Erfahrung angesammelt hat. Dieser Mitarbeiter ist gleichzeitig potentieller Kunde. Wer kann sich besser einfühlen, wer hat ein sichereres Gespür für diese immens große Zielgruppe, die Produkte und Dienstleistungen braucht und sie sich auch leisten kann?

Ich persönlich finde die Arbeit mit den jungen Kolleg*innen stets erfrischend und auch zielführend. Besonders, wenn es um digitale Themen geht. Viele Innovationen sind für die Digital Natives völlig selbstverständlich. Meine Generation muss hier manchmal noch ‚nachsitzen‘, um sich das kurzfristig anzueignen. Jedoch braucht es bei der Umsetzung von der Theorie in die Realität nicht nur Neugierde und Innovation, sondern auch Fachkenntnisse und Lebenserfahrung“, meint Angela Keuneke. Wenn Generation X, Y und Z mit den Babyboomern an einem Strang ziehen, kann daraus ein echtes Dreamteam entstehen.

 


 

Dieser Artikel ist bereits auf FemaleOneZero (F10) erschienen und Teil einer Content-Kooperation zwischen FemaleOneZero und der Hager Unternehmensberatung. 

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