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19.03.2020

Neue Arbeitszeitmodelle: Von der Notwendigkeit zur echten Alternative

Flexible Arbeitszeiten, Telearbeit und Homeoffice – in der digitalisierten Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts eigentlich kein Problem mehr, oder?

Neue Arbeitszeitmodelle: Von der Notwendigkeit zur echten Alternative

Trotz der technischen Möglichkeiten halten viele Unternehmen nach wie vor an alten Arbeitsstrukturen und dem klassischen Modell des 9-to-5 Jobs fest. In einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 800 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen gaben Ende 2018 vier von zehn Arbeitgebern (39 Prozent) an, ihren Mitarbeitern das Arbeiten außerhalb der Büroräume zu ermöglichen. Immerhin ein Fortschritt gegenüber 2014 – hier war es gerade einmal ein Fünftel aller befragten Firmen. Dennoch kommt die Mehrheit der Unternehmen dem Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Flexibilität nur zögerlich nach. Zwischen einzelnen Branchen zeigen sich dabei ebenfalls Unterschiede: So ist der Trend zu flexiblen Arbeitszeitmodellen in der Digitalbranche deutlich verbreiteter als beispielsweise in der Logistik oder Industrie.

Zu einem endgültigen Aufbrechen starrer Strukturen könnte die aktuelle Corona-Krise führen, denn die Unternehmen, die die Möglichkeiten haben, schicken ihre Mitarbeiter zum Schutze der Gesundheit nun – mehr oder weniger freiwillig – ins Homeoffice. Zudem stellt die Schließung von Schulen und Kitas in Deutschland viele berufstätige Eltern vor große Herausforderungen. Die Großeltern, die in so einem Fall normalerweise aushelfen, sind keine Option, da sie zur Risikogruppe gehören und deren Gesundheit besonders geschützt werden sollte. Was also tun, wenn niemand auf den Nachwuchs aufpassen kann? Den meisten bleibt nur übrig, Arbeit und Kinderbetreuung irgendwie miteinander zu vereinbaren.

 

Flexiblere Arbeitsstrukturen auch in Zukunft eine Option?

Die Politik wendete sich deshalb bereits mit einem Appell an die Arbeitgeber und bat angesichts der drastischen Lage um deren Nachsicht. Es sei wichtig, eine gemeinsame Lösung ohne Lohneinbußen zu finden. Beispielsweise indem Eltern, wenn möglich, von zuhause aus arbeiten oder ihre Arbeitszeiten flexibler gestalten können. Sei es, dass sich die Elternteile tageweise mit Kinderbetreuung und Arbeiten abwechseln und ihre Stunden auf die restlichen Tage verteilen oder in „Schichten“ arbeiten, sodass ein Teil z. B. während der ersten Tageshälfte verfügbar ist und der andere die restliche Zeit. Obwohl viele Unternehmen ihren Mitarbeitern ohnehin Gleitzeit anbieten, gibt es in der Regel eine Kernarbeitszeit, die den zeitlichen Spielraum eingrenzt. Hiervon gilt es in der aktuellen Situation abzusehen, sodass auch zu Randzeiten gearbeitet werden kann.

Was im Moment eine Maßnahme der Notwendigkeit ist, könnte in Zukunft vielleicht eine echte Alternative werden, wenn wir uns erst einmal daran gewöhnt haben. Viele Unternehmen haben bislang Bedenken, dass die Produktivität und Effektivität unter so viel Flexibilität leiden könnte. Zugleich ist es ein Verzicht auf Kontrolle und erfordert volles Vertrauen der Arbeitgeber in ihre Mitarbeiter, dass diese weiterhin die gleiche Leistung erbringen und die geforderten Ergebnisse liefern. Genau dazu sind die Unternehmen in der jetzigen Situation aber gezwungen. Und wenn sie erst einmal darauf eingegangen sind, stellen sie möglicherweise fest, dass dies auch nach überwundener Krise eine echte Option sein könnte. Sogar in Branchen, in denen das bisher nicht infrage gekommen ist.

 


 

Dieser Artikel ist Teil der Beitragsserie „Game Changer Corona-Krise“.

 

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