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15.04.2020

Unternehmen vereinen sich im Kampf gegen Covid-19

Am Bericht aus der Perspektive unseres Partnerunternehmens Horton International wird verdeutlicht, wie sich das Vereinigte Königreich industriell aufstellt.

Von Hagen Schönfeld, Sector Head Industry

Unternehmen vereinen sich im Kampf gegen Covid-19

In Großbritannien und auf der ganzen Welt fehlt die Ausrüstung zur Bekämpfung des Coronavirus. Deshalb haben sich zahlreiche Unternehmen zusammengeschlossen, um diese Lücken zu schließen. Zu den Initiativen gehören zum Beispiel die Entwicklung und Herstellung von dringend benötigten Beatmungsgeräten, die kostenlose Unterbringung des medizinischen Personals an vorderster Front, der 3D-Druck wichtiger persönlicher Schutzausrüstung, neue Fabriken zur Herstellung von Handdesinfektionsmitteln und vieles mehr.

Hier sind einige der großartigen Beiträge, die viele leisten, um bei der Krise zu helfen.

Das Ventilator Challenge UK-Konsortium
Im Kampf gegen Covid-19 ist die Verfügbarkeit medizinischer Beatmungsgeräte entscheidend – dennoch haben wir nicht genug davon. Natürlich muss geklärt werden, wie es zu dieser Situation kommen konnte, aber aktuell ist die Lösung des Problems wesentlich wichtiger als Schuldzuweisungen. Und genau das ist das Ziel des sogenannten Ventilator Challenge UK-Konsortiums.

Folgende Organisationen sind Teil des Zusammenschlusses: Airbus, BAE Systems, Ford Motor Company, GKN Aerospace, High-Value Manufacturing Catapult, Inspiration Healthcare Group, Meggitt, Penlon, Renishaw, Rolls-Royce, Siemens Healthineers und Siemens UK, Smiths Group, Thales, Ultra Electronics, Unilever, Haas F1, McLaren, Mercedes, Red Bull Racing, Racing Point, Renault Sport Racing und Williams. Geleitet wird es von Dick Elsy, dem CEO von High-Value Manufacturing Catapult, eine Gruppe von Fertigungsforschungszentren in Großbritannien.
Zu sagen, dass dies einige der innovativsten Organisationen in Großbritannien sind, wäre eine Untertreibung. Noch nie arbeiteten in Friedenszeiten so viele Talente gleichzeitig auf ein Ziel hin: Beatmungsgeräte bauen, um Leben zu retten. Schon jetzt sind beim Ventilator Challenge UK-Konsortium bereits 10.000 Gerätbestellungen eingegangen.

Dyson produziert 15.000 Ventilatoren
Im Rahmen einer anderen Initiative ist der Staubsaugerhersteller Dyson dabei, 15.000 CoVent-Beatmungsgeräte zu produzieren. Dabei handelt es sich um ein bettmontiertes Netz- und batteriebetriebenes Beatmungsgerät, das in Feldkrankenhäusern eingesetzt werden kann. Von diesen werden 10.000 an den National Health Service (NHS) in England geliefert und 5.000 in andere Länder exportiert, in denen sie dringend gebraucht werden.
Dyson entwarf und fertigte den Prototyp binnen zehn Tagen, nachdem sie von der britischen Regierung beauftragt worden waren. Das Unternehmen hat die Produktionslinie gewechselt und hofft nun, dass die ersten Modelle innerhalb weniger Wochen in den Krankenhäusern eingesetzt werden können.

Initiativen der Tourismusbranche
Die Reisebranche ist mit am stärksten von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Covid-19 Ausbruchs betroffen. Viele Unternehmen hielt das jedoch nicht davon ab, alles zu tun, um ebenfalls einen Beitrag zu leisten. Dadurch dass der Tourismus zum Erliegen gekommen ist, sind die Betten in vielen Hotels frei. Mehrere Betreiber stellen diese nun kostenlos für medizinisches Personal zur Verfügung, das vermeiden möchte, die eigene Familie mit dem Virus anzustecken, und nach einer anstrengenden zwölfstündigen Schicht an der Front eine Ruhepause braucht.
Ähnliche Initiativen gibt es weltweit: In New York beherbergt das Four Seasons Hotel kostenlos Ärzte, Krankenschwestern sowie anderes medizinisches Personal. Und auch die Hotels der Fußballspieler Ryan Giggs und Gary Neville stellen Medizinern mehr als 150 Betten zur Verfügung. Roman Abramovich folgte mit seinem The Millennium Hotel at Chelsea Football Club.
In Spanien, wo es Hotelanlagen im Überfluss gibt, bringen verschiedene Ketten Covid-19-Patienten unter. Zudem haben Kreuzfahrtunternehmen Regierungen weltweit angeboten, ihre Schiffe in provisorische Krankenhäuser umzuwandeln. Auch Airbnb stellt weltweit 100.000 Medizinern und Covid-19-Einsatzkräften kostenfreie und subventionierte Unterkünfte bereit.
Viele Restaurants bereiten Speisen zu und liefern sie unentgeltlich an Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Jetblue nutzt seine freigewordenen Kapazitäten, um medizinische Freiwillige nach New York zu bringen. Ähnliche Dienstleistungen bietet Delta Airlines an.

Persönliche Schutzausrüstung
Vielerorts gibt es noch zu wenig persönliche Schutzausrüstung für medizinisches Personal, Einsatzkräfte und Pflegekräfte. Deshalb haben sich zahlreiche Initiativen weltweit organisiert, die diese mithilfe von 3D-Druckern entwerfen und produzieren. Stratasys, ein US-amerikanischer Hersteller von 3D-Druckern, strebt an, 5.000 Einweg- und mehrfach nutzbare Gesichtsschutzschilder mittels der Drucker, die sie zuvor an Kunden ausgeliefert hatten, herzustellen. Außerdem hat 3D Systems in den USA eine druckfertige Gesichtsschutz-Datei veröffentlicht, die heruntergeladen und gedruckt werden kann.
In Italien produziert CRP Technology mittels 3D-Drucker wichtige PPE (Personal Protective Equipment)-Komponenten. In Großbritannien wurde eine Crowdfunding-Initiative zur Finanzierung von 3D-PPE-Druckprojekten gestartet. Über 100.000 Gesichtsschutzschilder aus dem 3D-Drucker wurden bereits bestellt.
Modehändler beteiligen sich ebenfalls: Prada, Armani, Zara sowie Yves Saint Laurent und andere Modehäuser stellen massenweise chirurgische Gesichtsmasken her.

 

Handdesinfektionsmittel
In Großbritannien mangelt es massiv an Handdesinfektionsmittel. Der Milliardär Sir James Ratcliffe, angeblich der drittreichste Mann Großbritanniens, baute deshalb mit seinem Chemiekonzern Ineos in nur zehn Tagen zwei Fabriken – eine in Manchester, eine in Deutschland – für die Produktion von Desinfektionsmittel. Geplant sind eine Million Flaschen Handdesinfektionsmittel im Monat zur Unterstützung des NHS.
Als Teil der Initiative produzieren einige Brauereien und Brennereien Alkohol für Desinfektionsmittel, während das Craft-Beer-Unternehmen BrewDog sein Handdesinfektionsmittel BrewGel kostenlos für örtliche Wohltätigkeitsorganisationen sowie die Gemeinde herstellt.

 

Kriegsgesetzgebung soll Unternehmen zur Hilfe zwingen
Trotz der massiven Bemühungen von Unternehmen weltweit, im Kampf gegen Covid-19  einen Beitrag zu leisten, hat Donald Trump in den USA ein altes Kriegswirtschaftsgesetz aktiviert, mit dem Firmen zur Herstellung bestimmter Produkte gezwungen werden können. Damit verpflichtete der Präsident General Motors (GM) zur Produktion von Beatmungsgeräten, obwohl diese zuvor bereits angekündigt hatten, mit medizinischen Versorgungsunternehmen zusammenzuarbeiten, um genau dies zu tun.

Was ist mit der Zukunft?
Händler und Hersteller aus vielen Sektoren haben dem Corona-Virus den Kampf angesagt. Beatmungsgeräte, Masken, Liegeplätze auf Kreuzfahrtschiffen und kostenlose Hotels sind nur einige Beiträge – andere folgen. Zweifelsohne werden wir, wenn das alles vorbei ist, in einer anderen Welt auftauchen. Hoffen wir, dass wir die Lektionen, die wir daraus lernen, nicht vergessen und der Geist der Zusammenarbeit weiter anhält. Sollte es jemals ein nächstes Mal geben, müssen wir besser darauf vorbereitet sein.

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