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22.02.2019

Wie ein Klassentreffen

Als ehemaliger Fußball-Profi gehört Richard Golz (50) mit 453 Einsätzen für den Hamburger SV und den Sport-Club Freiburg zu „Top 25“ der Bundesliga. Seit vergangenem Herbst ist der frühere Torhüter für die auf Executive Search spezialisierte Hager Unternehmensberatung im Hauptsitz in Frankfurt am Main tätig und leitet dabei als Business Unit Manager den neu etablierten Bereich Sport. Gebündelt fließen dabei aus seiner sportlichen Laufbahn und weiteren beruflichen Tätigkeiten vielfältige Erfahrungen ein.

 

Wie ein Klassentreffen

Von Richard Golz, Business Unit Manager Sports, Hager Unternehmensberatung und ehemaliger Profi-Fußballer

Eindrücke vom Sportbusiness-Event SPOBIS 2019.

Riesige Kommunikations- und Präsentationsplattform mit ausgeprägter Bandbreite, ein absoluter Pflichttermin für Netzwerker in diesem Bereich: Mit rund 3.500 Teilnehmern und einem umfangreichen Bühnenprogramm mit 150 Referenten zu Entwicklungen im Sport und Business von Morgen hat der SPOBIS in Düsseldorf Ende Januar erneut seine Rolle als das wohl größte und bedeutsamste Sportbusiness-Event in Europa bestätigt. Dabei drehten sich gefühlt 90 Prozent aller Vorträge und Diskussionen um Digitalisierung: als das Thema, dem auch im sportlichen Umfeld eine rasant wachsende Bedeutung zukommt. Selbstverständlich ein für uns bei Hager ebenfalls wesentlicher Aspekt; ganz allgemein und im Speziellen für mich und meine Aufgabenstellung, wenn es darum geht, bei Sportvereinen und -verbänden entsprechend ausgerichtete Positionen mit den von ihrem Profil her für diese Aufgaben genau passenden Experten zu besetzen.

Auch unter diesem Gesichtspunkt brachte der SPOBIS zwei überaus interessante, ausgefüllte Veranstaltungstage mit unzähligen Gesprächen und intensivem Austausch – und dem Wiedersehen mit vielen ehemaligen Mit- und Gegenspielern aus meiner Fußball-Laufbahn. Was es bisher sonst eher nur bei Benefizveranstaltungen wie etwa Hallenturnieren der Traditionsmannschaften gab, entwickelt sich nun auch bei solchen Messen, Kongressen und Konferenzen. Eine Art Fußballer-Klassentreffen. Und das nicht zufällig.

Einerseits ist die Freude groß, wenn wir uns bei solchen Gelegenheiten abseits des Rasens mal wiedersehen. Gleichzeitig spiegelt sich dadurch aber auch eine deutliche Entwicklung wider, dass sich mittlerweile mehr und mehr ehemalige Profis im Sportbusiness tummeln – und das nicht mehr nur vornehmlich als Trainer. Einige Beispiele vom SPOBIS:

Ex-Nationaltorhüter René Adler (34) steht aktuell vor dem Übergang von der sportlichen Karriere in die Zeit nach dem Fußball. Als Speaker berichtete er beim SPOBIS von „BWL-Studium, Start-Up-Invests, Aktienhandel“ und somit darüber, „wie ich mich auf meine Karriere nach der Karriere vorbereite“. Längst hat sich René mit diesem neuen Lebensabschnitt eingehend beschäftigt und ihn nach einem Note-1-Abschluss an der European Sportsmanagement (ESM) Academy im Jahr 2016 mit seiner Beteiligung an „T1tan“ eingeleitet. Das Unternehmen stellt innovative Torhüterhandschuhe her und vertreibt die Produkte online. René scheint „für die Zeit danach“ gut vorbereitet und aufgestellt zu sein.

Mit Mike Hanke (35) hat sich nach seiner letzten Karrierestation in China ein weiterer früherer Nationalspieler nun beruflich ganz neu ausgerichtet. Zusammen mit Thorben Marx (37), seinem Mannschaftskollegen aus Bundesliga-Zeiten bei Borussia Mönchengladbach, ist der ehemalige Torjäger seit 2017 engagiert und involviert bei tivela.com, einem Fußball-Lifestyle-Portal, das anderen Profis auch über ihre aktive Zeit hinaus behilflich sein soll.

Sebastian Kehl (39) schließlich, mit Borussia Dortmund dreimal Deutscher Meister geworden und mit der Nationalmannschaft 2002 Vize-Weltmeister sowie 2006 beim „Sommermärchen“ WM-Dritter, ist nach einer Auszeit seit dem vergangenen Sommer als Leiter der Lizenzspieler-Abteilung beim BVB von Null auf Hundert in eine neue berufliche Herausforderung gestartet. Eine Blutauffrischung, die dem Verein guttut und wohl sogar erforderlich war – vielleicht gelingt den Dortmundern mit dieser personell erweiterten Konstellation im kommenden Mai sogar der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Schließlich hielt mit ihm eine neue Generation Einzug in die Führungsriege – was auch bei einer bewährten und erfolgreichen Struktur sicher kein Nachteil ist, fließen mit dem bekannt ehrgeizigen Sebastian als kritischem Geist im positiven und konstruktiven Sinne doch ganz sicher neue Denkansätze ein, die für wichtige Impulse sorgen können.

Zumal er die Zeit zwischen seinem Karriereende von 2015 und dem Wiedereinstieg 2018 nicht allein dazu genutzt hat, um Abstand zu gewinnen, sondern vielmehr auch zur Vorbereitung auch Zukünftiges und Neues. Zwischenzeitlich nahm Sebastian u.a. an der damals ersten Auflage eines ausschließlich für erfolgreiche Ex-Profis angelegten Studiengangs der Europäischen Fußball-Union (UEFA) von fast zweijähriger Dauer teil. Den Abschluss als „Master for International Players“ (MIP) schaffte zusammen mit Sebastian seinerzeit mit Simon Rolfes (37) übrigens ein weiterer ehemaliger Nationalspieler. Und als bei Bayer 04 Leverkusen erst kürzlich ernannter Sportdirektor soll und kann Simon ebenfalls für zusätzlichen Schwung sorgen.

Vereine und Verbände dürften in der Zukunft – nicht allein im rein sportlichen Bereich – vermehrt von der fachlichen und zeitgemäßen Herangehensweise früherer Profis profitieren, deren Basis für die neue berufliche Aufgabe freilich eine möglichst weitgehende Aus- bzw. Fortbildung sein muss. Im Mittelpunkt unzähliger Weiterentwicklungen steht dabei – wie bereits erwähnt – das Thema Digitalisierung, gerade auch im Zusammenhang mit den Stadien. Um diesbezüglich bereits umgesetzte Maßnahmen und geplante, dringend erforderliche Investitionen sowie um den Vergleich zwischen einem Bundesliga-Spiel in der Frankfurter Commerzbank-Arena und dem Super Bowl 2019 im Mercedes-Benz-Stadium in Atlanta geht es im meinem nächsten Beitrag im März.

 

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